Entstehung und Geschichte

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Geschichte des Friesensports

Die Entstehung

Hannes Fleßner, einer der bekanntesten Produzenten und Liedermacher in Ostfriesland, schrie vor vielen Jahren ein Lied für den Boßelsport.

Moder, do mi de Pockholter her un ok mien Flüchterkloot, wi fragen nich na Wind und Wäär, dat sitt uns so in't Blood. Hier up an un denn liekut! Lüch up un fleu herut!“ Noch heute wird das Lied von Flessner bei vielen Freesensport-Veranstaltungen gesungen. Doch wie und wann is egentlich der Friesensport entstanden? Nur die wenigsten wissen über die Geschichte des ostfriesischen und Oldenburger Heimatsport Bescheid.

Im nächsten Abschnitt will ich kurz über den Ausgangspunkt und die Geschichte des Friesensport berichten.

Trotz viel Forschung in den letzten Jahren, kann man bis heute nicht mit Bestimmtheit sagen, wo der Ursprung des Friesensports liegt. Es gibt zwei bekannte Theorien.

Die erste Theorie, eines aus Jever stammenden Professor Niemann, führt uns in die Zeit um 500 n. Chr. Zu dieser Zeit sind viele Waffen entstanden. Der Spieltrieb der Menschen, Steine oder etwas anderes weit weg zu schleudern, hatte damals einen praktischen Charakter. Die Menschen mussten überleben! Nach dieser ersten Theorie haben sich die Küstenbewohner mit ihren Wurkünsten gegen fremde Gegner verteidigt. Wenn die Fremden über´s Meer oder über Land angreifen wollten, wurden sie von genau platzierten “Kloten” empfangen. Mit diesen Geschossen hat man, so ist bekannt, jeden Fremden vertrieben. Auch der römische Geschichtsscheiber Tacitus schrieb, das die Römer auf diese Weise angegriffen wurden, als sie den Norden Deutschlands erobern wollten.

DieseGeschosse waren mit Sicherheit kleine Kleiekugeln gewesen Andere Waffen waren unbekannt oder standen enfach nicht zur Verfügung.1 Der Boden war voller Salz und es war schier unmöglich, dass  Bäume un Sträucher wuchsen, aus denen man zum Beispiel Pfeil und Bogen herstellen konnte.2 Der Boden an der Küste klebte damals schon, so dass das Herstellen von Kloten auf jedenfall möglich war. Wissenschaftler haben 2000 Jahre alte, faustdicke, ausgepresste und getrocknete Kleiboden-Kugeln gefunden. In Holland hat man sogar kleine Holzkugeln ausgegraben, die ca. 700 Jahre alt sind. In kleinen Löchern hat man damals schon Blei gefüllt. Nur wozu sie gebraucht wurden, ist nicht klar. Viellicht hat man schon zu dieser Zeit die Kugeln als Kloten beim Sport genutzt. Man kann mit Sicherheit sagen, dass Feuerwaffen die Kloten als Verteidigungsmittel abgelöst haben, aber das Klootschießen als Spiel ist geblieben.3

Die zweite Theorie besagt, dass die Küstenbewohner Leinen an kleine Kleiklumpen befestigt haben, um Treibholz aus dem Wasser zu fischen. Sie haben die Kleiklumpen weit in´s Meer geschleudert und dann mit Hilfe der Leine die Kugel samt Treibholz an den Strand gezogen. Ein Argument dafür ist, dass die meisten Menschen an der Küste damals sehr arm waren. Somit waren sie über jedes Stück Holz froh, das sie umsonst bekommen konnten. Das Holz konnten die Meinschen verkaufen, verbauen im Ofen verbrennen. Mit der Zeit ist aus diesem überlebenswichtigen Vorgang ein Hobby geworden, das bis heute besteht. Diese Theorie stützt sich auf eine Chronik der Hamburger Staatsbibliothek (9. Jahrhundert).4

Welche dieser Theorien nun die richtige ist, bleibt jedem selbst üerlassen.

Eine andere Frage kann man mit diesem kleinenAbschnitt auch klären. Der Friesensport ist nicht unbedingt in Ostfriesland entstanden, wie es die meisten Menschen heute glauben. Viel wahrscheinlicher ist, dass diese Sport an der gesamten Küste zu Haus ist, von Holland bis Schleswig Holstein. Auch Irland darf nicht vergessen werden.

Erste urkundliche Belege

Mit der Zeit ist aus dem Verteidigungsmittel ein Spielobjekt geworden. Im Mittelalter wird vom Klootschießen noch gar nicht geredet. Im 15. Jahrhundert findet  man erste Hennweise in Holland. 1485 ist das Klootschießen vom Rat der Stadt Amsterdam verboten worden. Man sollte nicht mit Kloten werfen, weil die Stadmauern und die Menschen getroffen werden könnten..5

In Niedersachsen ist das Klootschießen erstmals 1510 belegt worden. Im ältesten Landgerichtklagebuch der Stadt Emden findet man folgende Beitrag: “Item Johan van Laer in meyster Ennen Karl heft Sebben Krogher mytte Klote voir de copp gheschoten, syn oghe lellick blaw und 2 blodelsse int ansicht.”6 Hier is also en Kröger punnig an´t Oog un in´t Snut beseert worden.” Das war nicht gut für den Ruf des Freesensports.

Klootschießen und Boßeln – Ein Volkssport

Auch im 19. Jahrhundert und in der Zeit des 1. un 2. Weltkriegs hat das viele Probleme mit den Friesensport gegeben. Die „Industrielle Revolution“ und das „Massen-Einberufen“ junger Soldaten ließ das Spielen mit den  Kloten ein wenig in den Hintergrund  rücken. Da will ich nun jedoch nicht weiter drauf eingehen,

Wie in Punkt zwei schon erzählt, wurde das Straßenboßeln mit der Zeit immer lieber betrieben. Der Grund war die einfachere Technik als beim Klootschießen. Die ersten Vereine sind Ende des 19. und  Anfang des 20. Jahrhundert gegründet worden. 1897 fand der erste offizielle Klootschießer-Wettkampf zwischen Ostfriesland und Oldenburg statt.9 Seit diesem Zeitpunkt wird, wenn das Wetter es zulässt, jedes Jahr dieser Wettkampf ausgetragen. Das Straßenboßeln soll um die Zeit auch schon regelmäßig stattgefunden haben, jedoch nicht so wie wir das heute vorfinden.

In Ostfriesland ist in Friedeburg 1902 der erste Kreisverband gegründet worden. Später kamen noch Esens (1905), Wittmund (1911), Norden (1926), Aurich (1931) und Leer (1972) dazu. So ist 1947 der Landesklootschießerverband Ostfriesland e.V. (LKV) entstanden. 2003 hatte der Verband sechs Kreisverbände, 145 Vereine und 25.976 Mitglieder. Butjadingen und Stadland (1906) waren die ersten beiden Kreisverbände in Oldenburg. Ammerland (1910), Waterkant (1919), Jeverland (1926), Friesische Wehde (1950) und Wilhelmshaven (1955) kamen noch dazu. Der Klootschießerlandesverband Odenburg e.V. (KLV) ist 1951 gegründet worden. 2003 hatte er sieben Kreisverbände, 117 Vereine und 15.186 Mitglieder.10

Neben vielen ostfriesischen, oldenburgischen und deutschen Meisterschaften, gibt est seit 1969 auch Europameisterschaften. Teilnehmer sind der FKV (Friesischer Klootschießer Verband / Ostfriesland und Oldenburg), der VSHB (Verband Schleswig-Holsteinischer Boßler), der NKB (Nederlands Klootschieters Bond), der BC (Bol Chuman Na h´Eireann / Irland) und die ABIS (Associazione Boccetta Italiana / Italien). All diese Verbände bilden zusammen die IBA (International Bowlplaying Association).

1969 was Italien noch nicht dabei. Sie gaben 2000 in Melldorf (an der Nordsee) ihren Einstand. 1969 war die Euro in Losser (Holland), 1970 in Cork (Irland), 1972 in Garding (SH), 1974 in Jever, 1977 in Cork, 1980 in Tubbergen (Holland), 1984 in Garding, 1988 in Norden, 1992 in Cork, 1996 in Tubbergen, 2000 in Meldorf (SH), 2004 in Westerstede und 2008 in Cork. 2012 soll die Europameisterschaft das erste Mal in Italien stattfinden. Bislang haben die Sportler des FKV immer am besten abgeschnitten.

Seit den 80er Jahren gibt es hin und wieder auch mal Weltmeisterschaften. Jedoch sind diese Veranstaltungen noch nicht so anerkannt wie die Europameisterschaften. Grund dafür können bisher die fehlenden Verbände außerhalb Europas sein.